Nonsenselessness




Colorless Green Ideas Sleep Furiously

Noam Chomsky, 1957

Nonsenselessness ... ist eine optimistische Bedrohung.

Die Frage nach der Bedeutung menschlichen Lebens auf der Erde und im Universum an sich stellt sich den Menschen schon seit Anbeginn ihrer Geschichte. Und diese Frage hat auch nie aufgehört sich zu stellen. Das Universum schuldet uns gewissermaßen eine Antwort immer wieder auf’s Neue, mit jedem Tag und jedem Blick auf die Welt um uns herum, auf die nicht enden wollenden Kriege, die Zerstörung von Lebensräumen, die fortdauernden und neu aufkommenden Krisen – conditio humana das volle Paket.

Die Suche nach Antworten hat viel Sinn und Unsinn produziert, hat Religionen gegründet, die Philosophie hervorgebracht, Kunst erstehen lassen, Wikipediaeinträge gefüllt und Spekulationen kolportiert.

Der Titel der Ausstellung Nonsenselessness deutet auf den Versuch, "Sinn" durch das Fehlen seiner selbst zu definieren. Die doppelte Verneinung dieses Neologismus, der sich im Deutschen in etwa mit “Unsinnlosigkeit” übersetzen lässt, kann als eine Bekräftigung der Verneinung oder auch als eine besondere Bejahung verstanden werden. Allein schon daraus ergibt sich die Frage, ob und wenn ja wie Unsinn objektiv existiert? Und handelt es sich um ein kulturübergreifendes Konzept, das eigentlich schon immer besteht, oder ist die Polarität Sinn vs. Unsinn eine neuere Entwicklung?

Nonsenselessness ... ist eine Verschwörungstheorie.

Anknüpfend an Dada, Revolutionäre Surrealisten, Situationisten und Fluxus, die Sinn, Bedeutung und Rationalität in Frage gestellt, zerstört und wieder aufgebaut haben, fragen wir: Welche Rolle spielen Sinn und Unsinn in unserem Leben? Welches Verhältnis besteht zwischen Unsinn in der Bedutung von "keinen Sinn machen" und Unsinn im Sinne von "Absurdität"?

Nonsenselessness ... ist ein Gewahrseinsmoment.

"Colorless green ideas sleep furiously" - dieser mitlerweile ikonische, syntaktisch grammatikalisch zwar korrekte aber semantisch keinen Sinn machende Satz diente Noam Chomsky in seinem Buch Syntactic Structures (1957) als Beispiel für den schmalen Grat zwischen Sinn und Unsinn. Struktur logisch ja klar, Inhalt Nonsense… Man könnte Chomsky aber vielleicht auch unterstellen, dass er einfach nicht einfallsreich genug war, diesen Satz in einen Kontext zu stellen, in dem er Sinn ergibt.

Andere wohl "bedeutungslose" Äußerungen sind solche, die Sinn machen, grammatikalisch korrekt sind, aber keinen Bezug zum gegenwärtigen Zustand der Welt haben. Wie wird Unsinn durch Kategorien wie nützlich/unbrauchbar, ernst/nicht ernst, wahr/falsch beeinflusst?

In dieser Ausstellung, die im Sog des großen Pandemie-Knalls sich vom körperlich und materiell Greifbaren ins digital Flüchtige verlagert hat, konzentrieren wir uns auf Boom-Momente, Situationen, Existenzen, Identitäten, die wir schaffen, denen wir begegnen und/oder mit denen wir im Alltag konfrontiert sind, die Grenzen verschieben oder Transformationen auslösen. Die “Unsinnlosigkeit” der momentanen alltäglichen Beliebigkeit mit offenem Ausgang und Ende wurde Teil des Entstehungsprozesses dieser Webseite, die den Versuch unternimmt, die Beziehung zwischen den künstlerischen Arbeiten zueinander sowie zur architektonischen Umgebung zu in den digitalen Raum zu übertragen.

Nonsenselessness konfrontiert uns mit unserem Verständnis von “Normalität” und entwirft ein "Was-wäre-wenn"-Szenario über das Ende des Bedeutungssystems, wie wir es kennen.

... ist ein Fehler, der einem das Gefühl gibt, lebendig zu sein.

Kristina Kramer & Özgür Erkök Moroder